Im Sommer 2005 begann ich, Funksignale von Überwachungskameras mitzuschneiden und zu sammeln. Technologisch ist das mit einem handelsüblichen Videofunkempfänger möglich, so lange die Signale nicht verschlüsselt sind. So entstand während eines Atelieraufenthaltes in Chicago und später in Zürich eine stetig wachsende Kollektion von Videosequenzen.

Die Stärke des Videoarchivs liegt in seiner Vielfalt: Es ist keine abgeschlossene Sammlung, sondern eine Bilddatenbank, die über eine Vielzahl von inhaltlichen und formalen Kriterien definiert werden kann, und unterschiedlich kombiniert—also geschnitten—zu immer neuen Aussagen führt. Deshalb existiert der eine, richtige Schnitt in diesem Projekt nicht. Die Montage will immer wieder neu erfunden werden.

Trotz vielen Ähnlichkeiten sind die Bilder sehr unterschiedlich: Innenräume, Aussenansichten, kurze Sequenzen ohne oder längere mit Menschen, mit Ton, manchmal ohne, fixe, hohe, oft sehr schräge Winkel. Private Räume werden öffentlich, der Überwachte wird zum Überwachenden. Da der tragbare Funkempfänger immer nur im Sendebereich der (unverschlüsselten) Kameras funktioniert, wird häufig die Aufnahme zum Selbstportrait. Der repetitive Charakter und die Wahl der Orte erinnern auch an ein Tagebuch. Der Kiosk, der Imbiss oder der Weg zur Arbeit wird von immergleichen Kameras dokumentiert.

Die Bilder der Überwachungskameras sind nicht bloss Platzhalter und Testmaterial. Dem steten Wachsen der Datenbank ist der generative Schnitt besonders gut gewachsen. Die immer neuen Parameter lassen das Endprodukt immer wieder anders aussehen. Durch die dynamische Montage können immer wieder neue Assoziationen entstehen. "Surveillance Cinema" wird der erste Film der Automatic Cinema Maschine sein.

Die Inszenierung unterscheidet sich nur unwesentlich von einer normalen Filmprojektion. Ein Rechner bedient die Eingabekonsole, ein weiterer Rechner die Projektion. Die beiden sind über ein Netzwerkkabel miteinander verbunden—wobei aus Leistungsgründen die Server Software auf dem selben Rechner installiert ist wie der Kommando Client.